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Historie Božího Daru

Die Geschichte von Boží Dar

Boží Dar ist mit seiner Meereshöhe von 1028 m ü. M. das höchstgelegene Städtchen in Mitteleuropa. Der Name der Gemeinde Boží Dar ist angeblich von einem Ausspruch des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich abgeleitet, der, als ihm zum Ausruhen ein Sessel aus einem Stück Silber angeboten wurde, gesagt haben soll: „Dieses edle Metall ist Euer Brot, eine Gabe Gottes“. Dem ging jedoch eine lange Geschichte voran.

Urzeitliche Geschichte

Die Umgebung von Boží Dar begann sich bereits im Paläozoikum herauszubilden, als sich an der Stelle des gesamten erzgebirgischen Systems ein nicht hohes Gebirge erstreckte. Zum Ende des Paläozoikums (Urgebirge) drangen in der Zeit der variskischen Faltenbildung aus der Tiefe Granitschmelzen an die Oberfläche, indem sich das Erzgebirge allmählich zu heben begann. An diese Schmelzen banden sich zahlreiche bedeutende, erzgebirgische Lagerstätten von Zinn, Wolfram, Silber, Blei, Zink, Nickel, kobaltu, Wismut, Uran, Arsen und Kupfer. Im Verlaufe des Tertiärs (Trias) kam es unweit jenes Ortes, an dem sich nunmehr Boží Dar befindet, zu einem mächtigen vulkanischen Basalterguss. So entstand der Božídarský Špičák (Gottesgaber Spitzberg), der mit seinen 1.115 m ü. M. die höchste Basaltkuppe vulkanischen Ursprungs in Mitteleuropa ist. Später entstand in der Nacheiszeit an einer tektonischen Störung an jenen Stellen, an denen aus der Tiefe Quellen hervorsprudeln, das Gottesgaber Torfmoor (Božídarské rašeliniště).

Erste Besiedlung

Die Gegend von Boží Dar musste jedoch noch lange auf die Ankunft der ersten Siedler warten. Noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Umgebung von Boží Dar von einem dichten Hochgebirgsurwald bedeckt. Für die treue Ergebenheit und Unterstützung des Römischen Kaiserreiches schenkte der römische Kaiser Friedrich II. dem böhmischen König Přemysl Otakar I. Boden in der Umgebung von Boží Dar. Seit jener Zeit wurde dieses Gebiet als böhmisches Lehen erachtet. Im Jahre 1424 erwarben dieses Gebiet die böhmischen Herren von Tetov (Tettau). Nach dem Tode des Georg Wilhelm von Tettau (Jiří Vilém z Tetova) ging die Umgebung von Boží Dar in den Besitz des Georg von Podiebrad (Jiří z Poděbrad) über, und dies bis zum Jahre 1459, als es seine Tochter zur Vermählung dem sächsischen Kurfürsten Albrecht zum Geschenk machte. Boží Dar wurde somit in das sächsische Gebiet einverleibt, jedoch war die genaue Absteckung der Grenze zwischen dem böhmischen Staat und dem Kurfürstentum Sachsen eher symbolisch, da das Gottesgaber Territorium allgemein als armes Land erachtet wurde, wo sich nicht einmal die Holzförderung lohnte.

Die Streitigkeiten um den genauen Verlauf der Staatsgrenze brachen erst zur Wende des 16. Jahrhunderts aus, als man in den Anschwemmungen der Bäche zufällig Silber- und Zinnklumpen entdeckte. Diese Auseinandersetzungen gipfelten im Sommer des Jahres 1528, als der Bergmann Hans Schramm, der in den Diensten des reichen Hammerwerkers Kleinhempl stand, am westlichen Fuße des Fichtelberges auf Silber stieß, und zwar an der unmittelbaren Nahtstelle der Gebiete der Grafen von Schlick, der Herren von Schneeberg und der Herren von Tettau. Die Silberfunde waren offensichtlich sehr vielversprechend, sodass im Jahre 1529 der sächsische Kurfürst Johann Friedrich zur Förderung des Bergbaus die sog. Schürffreiheit für jenen Teil des Schwarzenberger Herrensitzes (Dominium) verkündete, der an Joachimsthal (Jáchymov) grenzte. Jedoch bereits ein Jahr später nahm das Gottesgaber Revier einen Raum ein, der vom alten Weg nach Loučná begrenzt war, von wo aus die Grenze, der sog. Riegel, auf der Anhöhe zwischen Boží Dar und Joachimsthal Jáchymov zum Gottesgaber Spitzberg (Božídarský Špičák) und weiter nach Norden von Hřebečná (Hengstererben) nach Alt Hengst, Bludná (Irrgang), Ries nad Mrtvým potokem nach Háje und Rozhraní verlief. Im Norden grenzte das Gottesgaber Revier an die Hartensteiner Herrschaft und im Süden an das Dominium der Schlicks. Schließlich wurden die Fehden um den Verlauf der Staatsgrenze in dieser Region erst durch den sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich beigelegt, der im Jahre 1533 dieses herrschaftliche Anwesen durch Unterzeichnung des Kaufvertrages mit den Erben der Herren von Tettau in sein Eigentum erwarb. Auch wenn Boží Dar durch diesen Akt auf sächsischem Territorium verblieb, war hier auch der Gebrauch böhmischer Münzen erlaubt. Noch im Sommer desselben Jahres wurden auf Geheiß des sächsischen Kurfürsten auf dem Gebirgsplateau die Grenzen des neuen Stadtkomplexes abgesteckt und ferner 600 Bauparzellen vermessen.

Die Besiedlung des Standortes von Boží Dar ist somit mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts zu datieren, als in diese höchstgelegenen Gegenden des Erzgebirges die Erzschürfer vorzudringen begannen, zunächst von der sächsischen Seite des Fichtelberges und etwas später auch von der Joachimsthaler Seite.

Bergstadt

Das Jahr 1546 hatte für Boží Dar eine grundlegende Bedeutung. Am 6. Juni des Jahres 1546 erteilte der Kurfürst Johann Friedrich der Gemeinde Boží Dar das Privileg einer freien Bergstadt, wobei sie bis zu jenem Zeitpunkt unter die Berghauptmannschaft in Schneeberg fiel. Dieses Privileg verlieh den Bürgern von Boží Dar das Recht, 12 Ratsherren zu wählen, die aus ihrer Mitte wiederum den Schultheiß wählten. Ferner gründete er die Pfarrkirche und verlieh den Bürgern das Recht des Handels und des Betreibens von Handwerken sowie auch das Recht der Abhaltung eines Wochenmarktes am Freitag jeder Woche, sowie eines Jahrmarktes am St.-Nikolaustag.

Boží Dar als Bestandteil des Königreichs Böhmen

Im Herbst brach in Deutschland der sog. Schmalkaldische Krieg aus und aufgrund der herrschenden Zwistigkeiten zwischen dem deutschen Kaiser und dem sächsischen Kurfürsten wurde Gottesgab (Boží Dar) am 23. Oktober 1546 vom Heer des Bohuslav von Lobkowitz besetzt. Beim Eintreffen der kaiserlichen Truppen flüchteten die Einwohner zumeist in die umliegenden Wälder, sodass die Stadt beinahe vollständig entvölkert wurde. Der Kurfürst Johann Friedrich erlitt eine Niederlage und wurde erst ein Jahr darauf in der Schlacht bei Mühlberg gefangen genommen. jedoch noch vor seiner Niederlage auf dem Schlachtfeld schloss am 14. Oktober 1546 sein Cousin Moritz von Sachsen in Prag mit dem böhmischen und ungarischen König Ferdinand I. von Habsburg ein geheimes Abkommen, wonach die Hälfte des Schwarzenberger Dominiums mit den Städten Boží Dar (Gottesgab) und Horní Blatná (Bergstadt Platten) an das böhmische Königreich zurückfiel. Die ständige Beanspruchung des Eigentums hinsichtlich des an Erzen reichen und strategischen Grenzgebietes in der Umgebung von Boží Dar wurde definitiv erst am 26. Oktober 1556 gelöst, als zwischen den böhmischen Staat und dem sächsischen Kurfürstentum der Schneeberger Vertrag geschlossen wurde, welcher den genauen Verlauf der Staatsgrenze beider Staaten bestimmte. Zwei Jahre später, im Sommer des Jahres 1558, wurde die Staatsgrenze auf der Grundlage des Schneeberger Vertrages durch Grenzsteine markiert.

Bergbau in Boží Dar...

Im 16. Jahrhundert gesellte sich zur Erz- und Torfförderung, die sich vor allem südlich und südöstlich der Gemeinde konzentrierte, die Förderung von Zinn durch das Auswaschen der Sedimente im Flussgebiet des Schwarzbaches (Černý potok) und durch Grubenarbeiten in der Umgebung der Goldenhöhe (Zlatý kopec) hinzu. Doch schon aus dem Jahre 1574 sind Aufzeichnungen darüber erhalten, dass man sich die Förderung einiger Erze nicht mehr auszahlte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) orientierte sich die Förderung eher auf Arsen und Zinn, deren Gewinnung damals nicht so verlustbringend wie bei anderen Metallen war. Die nachfolgende religiöse Gegenreformation hatte die teilweise Entvölkerung der Gemeinde zur Folge, was auch zu einer Einschränkung des Bergbaus führte. Am 25. Juli 1608 bestätigte Rudolf II. von Habsburg, römischer Kaiser und böhmischer König, in Prag den Bürgern der Bergstadt Gottesgab (Boží Dar) die bisherigen Privilegien, das Schürfrecht, das Recht des Stadtgerichtes, das Recht des Betreibens des Handels und der Handwerke (Salzhandel, Braurecht) sowie das Recht der Abhaltung eines Jahrmarktes zum Fest der Apostel Judas und Simon (28. Oktober).

...und sein Ende

Im Jahre 1743 erfolgte der Versuch, die Förderung in der Gottesgaber Hauptsilberader wiederaufzunehmen, der Erfolg war allerdings nur von kurzer Dauer. Am 7. August 1795 erteilte Kaiser Franz II. von Habsburg in Wien den Einwohnern von Boží Dar die Konfirmation (Bestätigung) der Stadtrechte, indem er sämtliche, den Bürgern ab dem Jahre 1546 gegebenen Freiheiten bekräftigte. Zur endgültigen Einstellung des Bergbaus am Standort von Boží Dar kam es im Jahre 1820. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die einzige einträglichere Broterwerbsquelle das Klöppeln von Spitze. Das Klöppeln der Spitze war jedoch lediglich eine kurzzeitige modische Angelegenheit, sodass viele Menschen Arbeit in der Fremde suchten und als Wandermusikanten ihren Lebensunterhalt verdienten.

Boží Dar in der Nachkriegszeit

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Boží Dar eine beinahe menschenleere Gemeinde. Die Situation verbesserte sich erst nach dem Jahre 1971, als in der Nähe der Gemeinde der Grenzübergang zur damaligen DDR eröffnet wurde. Seit dem 16. Jahrhundert wandelte sich die Bedeutung von Boží Dar wesentlich, indem aus dem mittelalterlichen regen Bergstädtchen mit 2 000 Einwohnern im 20. Jahrhundert ein bedeutendes touristisches Zentrum des Winter- und Sommersports wurde.

Denkmäler der Vergangenheit

In der Gemeinde befindet sich die der Hl. Anna geweihte Kirche. Diese Barockkirche mit Merkmalen des Klassizismus wurde im Jahre 1772 durch F. Heger an der Stelle eines zerstörten Renaissancebaus aus dem Jahre 1593 errichtet. Erwähnenswert ist das Zinntaufbecken im Innern der Kirche. Dieses Zinntaufbecken fertigte gemeinsam mit der Glocke im Jahre 1612 der Joachimsthaler Schmied und Glockengießer Hans Wildt d. Ä. an. Das Zentrum der Gemeinde bildet der Renaissanceplatz von rechteckiger Gestalt, in deren Ecken jeweils zwei Straßen münden. Das dominante Gebäude dieses Raumes ist das in den Jahren 1844–1845 errichtete Rathaus im Stile des späten Klassizismus. Die sonstige ältere Bebauung in der Gemeinde fiel einem Brand im Jahre 1808 zum Opfer.

Persönlichkeiten

Auf dem hiesigen Friedhof ist der in Gottesgab gebürtige Sänger, Dichter und Autodidakt Anton Günther (1876–1937) bestattet. Eine weitere bedeutende Persönlichkeit ist der griechische Schriftsteller Nikos Kazantzakis, der in Boží Dar in den Jahren 1929–1931 lebte.

Informationen zum gegenwärtigen Geschehen in der Stadt finden Sie auf der Seite Die Gegenwart von Boží Dar »

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